Die Bremsanlage an der Hinterachse zeigt Auffälligkeiten denen ich dringend nachgehen muss. Den: Irgendwas stimmt hier nicht. Tatsächlich habe ich mir einige Zeit überlegt, ob ich diesen Beitrag überhaupt schreibe, den die Erkenntnis ist schier unglaublich, aber leider dennoch wahr.
Aber von Anfang an…
Beim anheben des Wagens auf der Bühne ist mir aufgefallen, dass der Bremsschlauch welcher zur Hinterachse führt in den Radien…

…beim ausfedern der Hinterachse immer wirklich extrem auf Zug gespannt wird. Einfachste Vermutung: Ein falscher – zu kurzer Bremsschlauch ist da verbaut. Der neu bestellte mit der Teilenummer 2101-3506085 war jedoch genauso lang.
Bei der ausfedernden Hinterachse begrenzen die Stoßdämpfer den maximal möglichen Weg. Hebt man den Wagen an sodass die Achse frei ist, hängt sie also voll in den nun komplett ausgezogenen Stoßdämpfern.
Was liegt also näher als die eingeprägte Teilenummer auf den verbauten Dämpfern zu prüfen:

Die im Wagen verbauten Dämpfer hatten die Nummer 2123-2915004. Das passt schon mal nicht. Die Dämpfer sind eigentlich für den Chevrolet Niva bzw. Lada Niva „M“.
Warum das so fatal für den Bremsschlauch ist, sieht man wenn die für Shiguli passenden Dämpfer (links) mit den verbauten (rechts) vergleicht:

Die etwas länger ausfahrenden Dämpfer bewirken das die Hinterachse beim anheben des Wagens weiter nach unten geht, infolge wird der Bremsschlauch wirklich extrem gespannt, da nun ein Großteil des Achsgewichts daran hängt.
Zum Glück ist der Tausch keine große Sache, und war nach gut 30min erledigt. Das war der einfache Teil…
Beim stöbern in der Ersatzteilliste nach den passenden Nummern für den Bremsschlauch, ist mir jedoch noch etwas viel brisanteres aufgefallen. So wie unten dargestellt sollte der Leitungsverlauf im Shiguli sein.

In meinem Shiguli finde ich den Leitungsverlauf jedoch so vor:

Von links ins Bild kommt die Bremsleitung von vorne vom Hauptbremszylinder, mit einem S-Schlag geht die Leitung dann direkt auf die Hinterachse. Die Leitung die man daneben laufen sieht ist keine Bremsleitung sondern die Benzinleitung zum Tank.
Es fehlt also der komplette Leitungskreis mit Bremskraftregler und dem Gestänge welches die Bremskraft je nach Beladungszustand über die Lage der Hinterachse erhöht oder niedriger einstellt!
So montiert wie im Bild oben bekommt die Hinterachse derzeit den gleichen Bremsdruck vom Hauptbremszylinder wie die Räder der Vorderachse, was im schlimmsten Fall bei einer etwas stärkeren Bremsung zum vorzeitigen blockieren der Hinterräder führt. Ein plötzliches ausbrechen des Hecks ist dann nicht unwahrscheinlich. Nicht auszudenken wohin das führt sollte dies mit höherer Geschwindigkeit z.B. auf der Landstraße in einer leichten Kurve passieren.
Warum ist mir das bisher noch nicht aufgefallen? Gute Frage. Wahrscheinlich weil ich mit sowas bisher einfach nicht gerechnet habe!Keine Ahnung wie oder warum man auf die Idee kommt derart gefährliches zu machen…
Es hat etwas gedauert bis ich die fehlenden Teile zusammen hatte, insbesondere den Verlauf der Bremsleitungen auf alten Bildern zu finden war ein gutes Stück Arbeit. Die Leitungen habe ich dann selber aus ATE Stahlbremsleitung gebogen und gebördelt.

So sieht nun der Kreis zum Bremskraftregler (LAD) aus. Vom Hauptbremszylinder kommt der Druck (roter Kreis) und geht in den Bremskraftregler (gelber Kreis). Der geregelte Druck geht dann zur Hinterachse (grüner Kreis).


Der LAD wird über ein Gestänge welches mit einer Koppelstange mit der Hinterachse verbunden ist gesteuert. Liegt die Achse näher an der Karosserie (Fahrzeug beladen) lässt er mehr Bremsdruck zu, ist der Wagen leichter entsprechend weniger.

Der LAD selber sitzt auf der rechten Seite knapp hinter dem Stoßdämpfer. Die Leitungs-verlegung hat mich gut 8 Stunden und einige Meter Bremsleitung und Biegeversuche gekostet bis das alles nahezu Berührungslos an dem recht schwer zugänglichen Einbauort Platz finden konnte….
Wirklich keine schöne Arbeit!
Als nächstes muss das ganze eingestellt werden. Eingestellt wird dabei nicht das Gestänge, sondern die Lage des LAD zum Gestänge. Dafür kann der LAD über Langlöcher im Halter einige Millimeter hin- und her geschwenkt werden. Zum Einstellen habe ich die Bremsleitungen wieder etwas gelöst – mit festen Leitungen hat sich da nahezu nichts wirklich verstellen lassen.
In den alten Büchern wird genau erklärt wie man diese Arbeit zu machen hat. Zum Einstellen wird jedoch eine Einstellehre benötigt:

Da es diese Einstellehre nicht zu kaufen gibt, muss man sie sich selber anfertigen.

Meine Einstellehre habe ich aus 2mm Aluminiumblech hergestellt. Die Klemmung (rechts) ist ein Frästeil aus Alu – etwas Luxus darf nach dem Ärger mit den Bremsleitungen nicht fehlen, zudem machen solches Details Werkzeuge einfach schöner!

Die Lehre wird nun einfach mit der M6 Schraube vorne in das Auge in dem sonst der Koppellenker sitzt gesteckt und hinten über den Klemmblock am Gestänge gehalten. So montiert wird die Lehre nun nach oben gegen den Fahrzeugboden gedrückt.
In dieser Position wird der LAD in den Langlöchern nun solange verdreht, bis das Gestänge den Druckkolben im LAD berührt. So eingestellt habe ich den LAD dann im Halter mit den Schrauben angezogen.
Ich habe einige Bremsungen auf sandigem Untergrund probiert, und man merkt dass nun immer zuerst die Vorderräder blockieren bis dann mit steigendem Bremsdruck die Hinterräder ebenfalls blockieren. Die Bremse an der Hinterachse ist nun wie sie sein sollte.

