
Mein einst als Mittelklassewagen konzipierte Fahrzeug aus Baujahr 1973 besitzt einen 1200ccm Benzinmotor mit einer Leistung von 60PS. Der Motor kann dank einer zusätzlichen von Hand einstellbaren Zündverstellung auch mit niederoktanigem Kraftstoff betrieben werden.
Die Motorsteuerung erfolgt über eine Duplexsteuerkette. Gestartet werden kann der Motor wahlweise normal per Anlasser über den Zündschlüssel oder per Handanwerfkurbel aus dem Bordwerkzeug.
Gebremst wird ohne Bremskraftverstärker. Vorne per Doppelkolben Scheibenbremsen und hinten mit Trommelbremsen über einen Bremskraftregler. Der Wagen verfügt über eine Aufhängung mit Schraubfedern an jedem Rad. Der Antrieb erfolgt über die hintere Starrachse mit vier Längslenkern und Panhardstab.
In die Karosserie eingearbeitet ist eine vorgesehene Aufprallzone vorne sowie hinten um Aufprallkräfte abzumildern. Die vorderen Sitze sind mit Sicherheitsgurten ausgestattet, im Fond gibt es keine Sicherheitsgurte.

Alles in allem ein für die Zeit Anfang der 70er Jahre auch nach westlichen Maßstäben recht komfortables Reisefahrzeug welches auf die besonderen Erfordernisse der damaligen Ostblockstaaten abgestimmt wurde.
Man konnte jedoch mit dem Wagen so ab Anfang der 80er Jahre auch im Westen gut den Weg über den Brennerpass nach Italien zu den Wurzeln dieses Fahrzeugs meistern.


Der Innenraum meines Shiguli ist unglaublich geräumig, groß, übersichtlich und bequem. Die wenigen Anzeigen hat man stets perfekt im Blick. Die italienische Herkunft ist zweifelsohne deutlich spürbar.

Das „kastenartige“ einfache und leicht wirkende Design zeichnet sich in Verbindung mit einigen wenigen geraden Linien die sich von vorne bis hinten durchziehen aus. Viele verchromte Blechteile sorgen zudem für eine zeitlos schöne Erscheinung, und runden den Gesamteindruck perfekt ab.
Die Entstehung von AwtoWAS.
Die Sowjetführung erkannte das Erfordernis ein günstiges, leicht zu bauendes und zuverlässiges Fahrzeug herzustellen. In Italien fand man ein Fahrzeug das diesen Prämissen entsprechen konnte: Es war der FIAT 124 welcher bereits seit 1966 in Turin gebaut wurde.
Durch ein Lizenzabkommen zwischen FIAT und der Sowjetführung wurde es möglich den Wagen mit ca. 800 Anpassungen an die Erfordernisse sowjetischer Gegebenheiten als Lizenznachbau herzustellen. Hierfür wurde 1966 – 1969 auf einer Fläche von rund 500 Hektar das Werk AwtoWAS neben der Stadt Stawropol-Wolschskij gebaut. Bereits 1970 rollte das erste Einserchen vom Band. Nur 6 Jahre später im Jahre 1976 wurden pro Jahr rund 700.000 Fahrzeuge der Shiguli Baureihe 2101 (Limousine) sowie 2102 (Kombi) hergestellt und ausgeliefert.

Geschichtliches.
Zu Beginn trat der damalige italienische Generalsekretär der PCI Palmiro Togliatti als Vermittler zwischen FIAT und der Sowjetführung bei der Gründung des Werkes und der späteren Zusammenarbeit sehr hilfreich in Erscheinung. Da die Machthaber der KPdSU jener Zeit eine Schwäche hatten Städte nach für sie bedeutenden Personen zu benennen, wurde zu Ehren Palmiro Togliatti daraufhin die Stadt Stawropol-Wolschskij im Jahr 1965 – ein Jahr nach seinem Tod in Toljatti (Тольятти) umbenannt, dessen Namen sie bis heute trägt.
Etwas Trivia rund um Lada.
Als Ausgleich zur Hilfe beim Aufbau des Werkes sollte FIAT gem. den Lizenzvereinbarungen u.a. günstigen Stahl für die eigene Fahrzeugproduktion bekommen. Der leicht rostanfällige Stahl brachte FIAT später einige Probleme und den legendären Ruf für schnell rostende Autos. Auf sowjetischer Seite hatte man dieses Problem ebenfalls, versuchte dies jedoch pragmatisch durch Verwendung von generell dickeren Blechstärken im Fahrzeugbau zumindest hinauszuzögern.

Das Logo im Kühlergrill zeigt symbolhaft ein Segelboot vom Typ „Ladja“ mit welchem im Mittelalter der neben dem Werk liegende Fluss Wolga befahren werden konnte. Der Markenname „Lada“ ist das Ergebnis einer Leserumfrage eines Automagazins. „Lada“ wurde zuerst für den Export übernommen, später jedoch auch für das Inland.
Neuzeitliches.
Es werden heute noch noch original Verschleißteile für Fahrzeuge der Shiguli Baureihe durch AwtoWAS hergestellt und vertrieben. Zudem nutzt AwtoWAS auch bei neueren Fahrzeugen gerne noch Bauteile aus den Teilkatalogen der Anfangszeit. So ist es nicht außergewöhnlich dass sich in aktuellen Modellen Neuteile finden welche die Teilenummer 2101-…… tragen.
Das Ende der Shiguli Baureihe.
Der letzte Produktionsstandort für Fahrzeuge der Shiguli Baureihe 2107 lag im Jahr 2014 in Ägypten. Die Produktion auf der Linie stoppte nachdem diese Opfer eines Brandes wurde. Die Shiguli Baureihe mit ihren sieben Varianten begann im Jahr 1970 mit dem WAS2101 und endete nach 17 Millionen gebauten Fahrzeugen im Jahr 2014 in Ägypten mit dem WAS2107 – ein wahrer Weltenbummler!
…über mich
Fahrzeuge aus Ländern jenseits des früheren Eisernen Vorhangs fand ich immer schon höchst interessant. Das interessante daran ist z.B. der Grundgedanke zur Einfachheit und Reparierbarkeit dieser Fahrzeuge. Ein Moped der Marke SIMSON Suhl darf da im „Fuhrpark“ natürlich nicht fehlen!

Das Kleinkraftrad aus dem Jahr 1986 verfügt über einen 50cm2 Zweitaktmotor mit einer Leistung von 3,7PS (3KW). Meine „Waffe“ nennt sich S51N da die Firma Simson eigentlich das „VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk Ernst Thälmann Suhl“ war.
Das N in der Modellbezeichnung steht für „Normal“ (-Ausstattung). Im Volksmund der damaligen DDR spöttisch jedoch eher für „Nichts“. Böse Zungen nannten dieses Modell auch „Bauern-“ oder „Ackermoped“ weil mit diesen einfachen Mopeds oft die Feldarbeiter der LPGs mit Brotzeiten versorgt wurden.
Ab Werk verfügt dieses Grundmodell weder über ein Zündschloss, eine Blinkanlage oder eine Fahrzeugbatterie nebst Ladeeinrichtung.
Geblinkt wird hier per Handzeichen, und wenn der Motor in der Nacht versagt wirds schnell recht dunkel… Eine Spezialität ist die Hupe, diese wird über Einwegbatterien (Babyzellen) mit Spannung versorgt und funktioniert solange die Batterien eben voll sind – so kann man wenigstens hupen wenn man schon nicht mehr gesehen wird.
Dadurch dass die Mopeds in der DDR 60km/h schnell sein durften, und dies beim Übergang in die BRD erhalten blieb lässt sich das Moped auch heute noch sehr gut im Stadtverkehr bewegen.

Meine Simson habe ich komplett restauriert. Der Motor wurde gespalten und alles was verschlissen war wurde durch alte Neuteile ersetzt. Einzig die Patina der Olympiablau lackierten Teile ist unberührt.
Mich reizt, dass man die Fahrzeuge nicht einfach „nur“ fahren kann, sondern das sich Technik in Form von Mechanik erleben lässt. Zudem erweist sich „das alte Zeug“ immer wieder als höchst langlebig und einsatzfreudig – etwas Pflege vorausgesetzt.

Ich bin nicht unbedingt der größte Freund teurer Klassiker. Zwar begeistern mich die „teuren“ Fahrzeuge auch,

interessanter finde ich jedoch „Alltagsautos„. Diese Fahrzeuge bewegten einst einen Großteil der Menschen. Familien wurden darin bewegt, Höhen und Tiefen eines Lebens überwunden, Urlaube erlebt und erfahren. Vielen galten die Fahrzeuge als Familienmitglieder, und ähnlich wie deren erste stolze Besitzer gingen die Fahrzeuge dann irgendwann.
Die Anekdoten die einem manchmal auf Treffen erzählt werden, wie etwa Geschichten von Reisen z.B. nach Ungarn an den Plattensee mit Pannen oder wilden Reparaturen… Erzählt von Menschen die dass mit genau diesen Autos in vergangenen Zeiten selber „erfahren“ haben, und heute noch lebhaft mit einem Schmunzeln darüber berichten können – einfach legendär!
Insgesamt ist mein „Fahrzeugpark“ sehr Lada lastig.

Denn im Alltag fahre ich ebenfalls… richtig was sonst: Lada…

…und zwar einen Lada Taiga / 4×4 mit der Modellnummer 21214 – neu gekauft im Jahr 2015.

Zu machen gibt es hier auch immer mal wieder was. Verschleiß und Korrosion zollen ihren Tribut. Manch anderem lassen solche Bilder die Haare zu Berge stehen…

…ich finde es minder schlimm. Es ist einfach unglaublich befriedigend, wenn man beim therapeutischen schrauben anfallende Probleme mit relativ einfachen Mitteln in Eigenleistung wieder selber zum fahren bekommt.

Da ich kein Profi bin, weise ich ausdrücklich darauf hin, dass auf der Webseite gezeigte Tätigkeiten und Berichte keinerlei Recht auf Richtigkeit oder Vollständigkeit erheben,

und das gezeigte im Zweifel keinesfalls zur Nachahmung empfohlen sei!

