Der Schaltknauf des Grauens

Kleine Jobs die fast in der Apokalypse enden – darin können unscheinbare Objekte verwickelt sein. So ein Schaltknauf ist anscheinend eines dieser Objekte…

Das Internet half mal wieder ein altes Originalteil zu bekommen. Beim aufschrauben auf die vorhandene Schaltstange – das verchromte Teil hab ich mal als „Lada Tuning“ erstanden – zeigten sich erste Probleme.

Das aufgeschnittene Gewinde (M10x1,25) war viel zu lang. Beim vorherigen Knauf (Maschinengriff aus dem Normteilekatalog) war das kein Problem weil der etwas größer war. So kann das also nicht mehr bleiben.

Das Gewinde muss kürzer werden. Zum kürzen schnell ausbauen – ein Kinderspiel wenn man weis wie der Halteclip funktioniert.

Dumm nur, das dabei die aufgelöste Staubmanschette der Schaltung in den Fokus rückte.

Die sah beim letzten mal aber noch nicht so aus….

Die neue Manschette wird auf den Blechkäfig aufgesteckt und mittels Klemmschelle gehalten. Da man im Osten bis heute kein gutes Gummi herstellen kann (offenes Geheimnis in der Szene) war die Montage ein ziemliches Gefrickel immer behaftet mit der Gefahr den Gummi irgendwo zu zerreißen. Irgendwann klappte es dann.

Soweit so gut. Auf der Mechanik zeigte sich leichter Schmutzbesatz der alten Manschette sowie etwas Staub. Das alles gebunden in einem leichten Film aus Getriebeöl. Die Mechanik mal komplett aus dem Getriebe zu ziehen und gründlich zu reinigen, erschien mir da eine gute Idee – an meinem Niva schon zig-fach gemacht, warum nicht auch hier.

Leider sträubte sich das Teil… egal wie, es wollte da nicht raus – eckte ständig irgendwo an dem Kunststoffring an.

Irgendwann hatte ich es durch beharrliches, leichtes drehen und vorsichtiges ziehen in eine halb ausgebaute Position gebracht an der irgendwie nichts mehr ging…

WAS-EIN-MIST. Ich hatte es geschafft die Mechanik zwischen den Schubstangen der Gänge im Getriebe, dem Getriebegehäuse und den Stehbolzen unlösbar zu verklemmen. Die ganze Idee „nur schnell den Schaltgriff zu wechseln“ war zig-fach mit Flüchen belegt, weil:

Die Gefahr ist groß, dass man an der Stelle mit Gewalt die Mitnehmer der Gangwahlschubstangen verbiegt oder noch schlimmer abbricht. Beides würde eine aufwändige Getriebereparatur zur Folge haben.

Doch was tun? Bester Rat in einer solchen Situation: Eine Nacht drüber schlafen. Tags drauf ließ sich das Problem mit vorsichtiger Beharrlichkeit sanft wieder lösen. Die Mechanik nahm wieder ihren vorbestimmten Platz ein und das Getriebe schaltet wie vorher – Glück gehabt!

Aber: Irgendwie ist hier der Wurm drin… Eine der drei Muttern SW10 wollte sich dank der Schelle und dem Blechkäfig der die Staubmanschette hält nicht mehr anziehen lassen – man kommt mit nichts da drauf!

Die Manschette nochmal demontieren erschien mir – nach dem das Gummiteil im ausgebauten Zustand schon kaum über den Blechkäfig wollte und die Positionierung der Halteschelle eine einzige Tortur war – keine gute Idee, das ganze Zeug mit einigen neuen Flüchen zu belegen jedoch schon.

Abhilfe schaffte eine leicht „unkonventionelle“ Anwendung eines Gabel-Ringschlüssels.

Aufgesteckt auf die Mutter lies sich diese damit gut anziehen ohne abzurutschen. Ein Glück. Auf die anderen beiden Muttern passte mit Mühe noch Ratsche mit Steckschlüssel.

Aber normal ist das doch nicht – oder was dachten sich die Lada Ingenieure dabei?

Nachdem ich nochmal im Teilekatalog geblättert hatte, findet sich der Verursacher des Problems unter dem Fahrzeugteppich. Auf dem Bild (oben) sieht man diesen schwarzen Kunststoffring – das ist eigentlich eine längliche Abdeckung über dem Getriebe aus einem anderen Fahrzeug, und gehört gar nicht zum Shiguli. Ohne die Abdeckung ist die Mechanik auszufädeln, und an die Muttern käme man auch besser mit Werkzeug. Die Abdeckung wurde vermutlich als Unterstützung für den Ersatzteilteppich montiert, da dieser an der Stelle recht dünn ist. Bekannt ist mir das Teil jedoch aus meinem Niva, und da muss die ab bevor die Mechanik aus dem Getriebe kommt – aber der Zusammenhang kam mir dann erst nach dem die Apokalypse schon voll in Gange war…

Der „neue“ alte Schaltknauf passt viel besser. Die Arbeit dahinter hätte nicht unbedingt sein müssen, zeigt aber das selbst an einem „gemachten“ Fahrzeug Überraschungen lauern können. Wenn ich das nächste mal an die Manschette muss, kommt der Teppich raus um Abdeckung die da nicht gehört abzubauen. Aber die neue Manschette wird hoffentlich wieder einige Jahre halten…



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