Ventil-Spiele.

Bei alten Motoren die sich anhören wie Nähmaschinen, kann es nicht schaden das Ventilspiel zu prüfen. Das habe ich am Shiguli das letzte mal vor etwa zwei Jahre geprüft. Da er mittlerweile schon wieder etwas klappert, wird es Zeit das wieder zu machen.

Das Ventilspiel beschreibt den Abstand zwischen Nockenwelle und den Schlepphebeln welche die Ventile betätigen.

Mechanisches Ventilspiel ist erforderlich um die Längenausdehnung der sich erwärmenden Ventile bei Betrieb des Motors zu kompensieren. Bei zu wenig Ventilspiel schließen die Ventile nicht mehr vollständig, neben einem eventuellen Leistungsverlust kommt noch eine mangelnde Wärmeabfuhr negativ zum tragen. Im schlimmsten Falle „verbrennt“ ein oder mehrere Ventile – i.d.R. die Auslassventile, da diese am wärmsten werden. Bei neueren Motoren erledigt ein Hydrostößel dass, was ich an meinem alten Motor turnusmäßig prüfen bzw. nachstellen muss.

Um das Ventilspiel zu prüfen bzw. einstellen zu können, ist es notwendig das die Ventile vom Nocken der Nockenwelle nicht betätigt werden. Befindet sich ein Zylinder im „Arbeitstakt“ tritt genau der Fall ein. Ich orientiere mich dazu am Läufer des Zündverteilers.

Im Beispiel oben zeigt der Läufer bei richtig aufgesetzter Verteilerkappe auf den Kontakt zur Zündkerze im Zylinder No. 1. Würde der Motor laufen, würde in dem Moment der Funke in Richtung Zündkerze geschickt. Der Zylinder befindet sich somit sicher im Arbeitstakt, bei dem beide Ventile geschlossen sind.

Das Ventilspiel wird dann mit einer 0,15mm Fühlerlehre eingestellt. Bauartbedingt ist das Ventilspiel beim Shiguli für Ein- und Auslassventil gleich. Zum einstellen wird die Kontermutter SW17 gelöst. Mit einem SW13 Gabelschlüssel wird dann durch drehen der Stellschraube der Abstand zwischen Nockenwelle und Schlepphebel eingestellt. Die Fühlerlehre sollte sich „saugend“ (also weder klemmend noch lose) zwischen Nockenwelle und Schlepphebel ziehen lassen.

Die Einstellung klappt – zumeist – nicht auf den ersten Versuch. 3-5mal einstellen und ziehen (pro Ventil) ist keine Seltenheit… So arbeitet man dann Ventil für Ventil ab. Gedreht wird der Motor in Laufrichtung entweder mit der Anwerfkurbel aus dem Bordwerkzeug oder einem Gabelschlüssel aufgesetzt auf dem Auswerfer für die Kurbel. Per Schlüssel ist mir angenehmer: Man sieht was passiert. Das ganze Prozedere dauert bei mir so ca. 20min.

Eine neue Ventildeckeldichtung kann auch nicht schaden. Da der Deckel eh schon mal runter ist, prüfe ich noch den Zustand der Steuerkette sowie des Kettenberuhigers. Danach wird der Deckel wieder montiert.

Ebenfalls nicht ganz unwichtig ist der „Flammlöscher“ – ein kleiner Messingquirl der siebartig ausgeführt ist.

Der kleine Freund soll verhindern, dass sich der ölige Nebel aus dem Kurbelgehäuse welcher ins Luftfiltergehäuse abgeführt wird in Richtung Motorblock entzündet falls es aus irgendeinem Grund passiert dass ein durch Früh- / Fehlzündung im Brennraum entzündetes Luft- /Kraftstoffgemisch durch das noch geöffnete Einlassventil durch den Vergaser verpufft. Die Folgen einer solchen Kettenreaktion (sprengen des Motorblocks) wären fatal.

Der Flammlöscher findet seinen Platz im oberen Ende des Schlauches der Kurbelgehäuseentlüftung, und geht gerne mal beim Ausbau des Schlauches verloren (mir ist das Teil schon mehrere male nach abziehen des Schlauches raus gefallen und dann unterm Wagen verschwunden) oder wird beim Tausch des Schlauches mit entsorgt.

Nach erfolgreicher Einstellung und Prüfung der diversen Teile kann dann auch der Rest wieder zusammengebaut werden. Danach geht es ab zur Probefahrt. Ein kleiner Blick nach der Probefahrt ob alles dicht ist kann nicht schaden.



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