Altteile wegwerfen… das ist immer so eine Sache. Haben sie doch lange Zeit ihren Dienst verrichtet. Schöner wäre doch, wenn der „Schrott“ in anderer Funktion weiterleben könnte.
Mein Setup für das anstehende Projekt:

Die defekte Nockenwelle des Shiguli aus dem Bericht vorher und einiges an käuflichem Gewerk neu zusätzlich.
- Ein Lampenschirm aus Metall
- Eine Fassung E27 nebst Zubehör
- Etwas Textilkabel mit Stecker und Schalter
- Ein Stück Messingrohr
Was will man daraus machen? Das naheliegende – eine Lampe zum Beispiel. Helligkeit bringt viele Dinge ins rechte Licht.
Der Anfang: Zuerst will ich die E27 Fassung adaptieren…

…damit man Schritt für Schritt weiterarbeiten kann. Es ist gut, wenn man solche Projekte nicht vorher schon versucht bis ins letzte Detail durch zu planen – das klappt dann meist nicht, und man verliert sich in Details was dann zum Scheitern des Ganzen führen kann.
Also fange ich mal an… Meine Idee war, ein Messingrohr in das vorhandene Gewinde am Ende der käuflichen Fassung zu kleben.

Wie sich herausstellte befindet sich in der Fassung ein Gewinde M10x1. So ein Schneideisen hab ich doch auch im Fundus – also machen wir das doch gleich schön!
So abgearbeitet lässt sich das Messingrohr nun schon mal in die Fassung schrauben und bildet den perfekten Übergang zum Hauptakteur in diesem kleinen Bastelprojekt.
Als nächstes will ich die (für mich) optisch angenehme Erscheinung festlegen.

Da mein Wunsch eine eher kleine Tisch- oder Beistellampe ist, ist die komplette Länge der Nockenwelle zu hoch. Irgendwo muss also geschnitten werden.

So erscheint mit das schon recht stimmig.

Zur Sicherheit habe ich mehrere Varianten mit einem Tuch abdeckt und den Lampenschirm entsprechend aufgelegt – abgeschnitten ist schnell, „dranschneiden“ geht danach nicht mehr.

Die für meinen Geschmack ideale Höhe war ziemlich genau die Hälfte der alten Nockenwelle.

Geschnitten habe ich in einen „dünnen“ Bereich der Nockenwelle. Erstaunlich wie dick das Material selbst an der dünnsten Stelle noch ist!

Nachdem die Schnittstelle (unten) mit dem Winkelschleifer sauber verputzt war habe ich eine für mich schöne Sichtseite – die zukünftige Vorderseite – festgelegt. Ich wollte einen Mix aus Nocken und Schmierbohrungen haben. Von allem etwas, aber nicht zu viel von allem.

Am Fuß der Nockenwelle wurde entgegen der Sichtseite eine Aussparung für das Textilkabel eingeschliffen.
Als nächstes brauche ich einen schönen Stand für die zukünftige Nockenwellenlampe.

Ein in die Jahre gekommenes Brett aus Buchenholz mit Wasserflecken und Verfärbungen das bereits ca. 10 Jahre in einer Gartenhütte sein Dasein fristen durfte erscheint mir die richtige Wahl daraus…

…eine passende Ronde für den Stand zu sägen.

Da der Lampenschirm einen Durchmesser von 120mm hat, erschien mir ein Durchmesser von 140mm für die Ronde ideal.

Als nächstes bohre ich ein Loch mit 40mm Durchmesser mittig in den zukünftigen Standfuß. Ebenfalls wurden die Außenkanten mit einem 3mm Radius befräst sowie ein Kanal für das Textilkabel eingefräst.
Da die Nockenwelle an der alten Lagerstelle größer als mein 40mm Forstnerbohrer ist, habe ich die Nockenwelle kurzerhand an der Stelle passend auf 40mm Durchmesser abgedreht. Die Nockenwelle lässt sich so nun fast „saugend“ in den Fuß stecken.
Nun kommt die E27 Fassung in die Nockenwelle.

Zuerst wollte ich die Fassung mit reichlich Kunststoff aus der Heißklebepistole direkt in die Nockenwelle kleben. Das erschien mir dann aber doch als zu grober Pfusch… Da man so ein Projekt ja eher um der Arbeit willen macht… ging das so nicht. Also was anderes muss her! Dafür habe ich nun einen Adapterring aus POM gedreht welcher mit etwa 0,1mm Übermaß in die Bohrung im Inneren der Nockenwelle gepresst wird.

In den Ring aus POM wird dann das 10mm Messingrohr bis auf die passende Tiefe eingepresst. Ich nahm an hier mit etwas Klebstoff fixieren zu müssen, aber das alles sitzt auch ohne erschreckend fest – gut dass beim ersten mal zusammenpressen gleich alles gepasst hat.

Zum Abschluss wurde der Stand aus Buchenholz mittig leicht geflammt um einen gefälligeren Hell-Dunkel Übergang vom hellen Buchenholz zur recht dunklen Nockenwelle zu haben. Die Nockenwelle und der Standfuß wurden nun mit etwas Epoxidharz verklebt.
Die vorher glatt geschliffene Holzoberfläche habe ich mit Bienenwachs und einem Heißluftföhn imprägniert. Das ergibt eine seidig-matte weiche Oberfläche. Das Wachs betont die Tiefenmaserung des Holzes recht schön und hinterlässt bei Berührung anders als Öl keinen Film auf der Haut.
Final alle Bauteile bereit zur Endmontage und hier nochmal im Überblick:

Zu Beginn war ich noch etwas skeptisch ob das am Ende wirklich gut ausschauen kann, finde ich das Ergebnis jetzt recht gelungen. Die Lampe bestückt mit einer E27 Faden-LED Birne gefällt mir wirklich sehr gut!

Die Bauzeit betrug einen langen Bastelabend am Wochenende, sehr überschaubar und zur Nachahmung wärmstens zu empfehlen – also werft Eure Altteile nicht einfach weg, baut schöne Dinge daraus!

