Wischermotor-Parade.

In diesem Beitrag beschäftige ich mich mit dem Wischermotor. Ausnahmsweise ist mal nichts kaputt oder bedarf dringender Pflege. Ihr seht die Unterschiede an Antrieben der alten- und neuen Bauform und erfahrt warum vier Kabel notwendig sind um den Antrieb drehen zu lassen.

Zuerst der Überblick:

Ganz links ein neuer (noch normal über den Ersatzteilhandel zu beziehen) Antrieb von Magnet Marelli mit der Nummer 064355601010 passend für FIAT (jedoch ohne Verweis zu Lada)

In der Mitte ein original LADA Antrieb neuer Bauform (dieser kommt von meinem Niva aus 2015) mit der Nummer 2103-3730000

Ganz rechts ein original LADA Antrieb in alter Bauform ebenfalls mit der Nummer 2103-3730000 (nicht mehr erhältlich)

Das Steckergehäuse, die Pinbelegung sowie die Kabelfarben sind bei allen Antrieben identisch. Diese sind: Schwarz (Masse), Blau (Plus), Blau-Schwarz und Blau-Weiß. Ebenfalls absolut identisch sind die Montagepunkte um den Antrieb auf der Grundplatte einzubauen.

Der Magnet Marelli Antrieb (FIAT)

Unter dem aufgeschraubten Kunststoffdeckel sieht man wo die ganzen Kabel hingehen. Die Schaltkabel Blau-Schwarz und Blau-Weiß gehen zum Umschalter, Blau (Plus) geht zur Versorgung und ist gleichzeitig mit dem Motor direkt verbunden (rotes Kabel). Masse (Schwarz) ist mir der aufgeschraubten Blechklemme verbunden.

Hebt man den Deckel ab sieht man im Inneren den Umschalter sowie den Steuernocken auf dem Zahnrad welcher den Umschalter betätigt.

Im Leerlauf zieht dieser Antrieb bei 14V Spannung etwa 1,2A Strom

Der LADA Antrieb neuer Bauform

Unter der Kunststoffabdeckung des Lada Antriebs neuer Bauform sieht es da schon etwas anders aus. Nicht nur das sich alle drei Kabel an einer Stelle des Blechdeckels befinden, es wurde auch ein zusätzliches schwarzes flaches Bauteil verbaut – eine mechanische Sicherung. Diese unterbricht durch Erwärmung die Zuleitung zum Motor sobald länger als ca. 3 Sekunden ein Strom von 10A fließt. Kühlt die Kontaktfeder im inneren wieder ab, wird die Zuleitung wieder geschlossen.

Ich vermute dass die Sicherung als Schutz für die Kontaktfedern verbaut wurde, da der Sicherungskreis in dem der Antrieb ist im Niva mit 16A abgesichert ist.

Unter dem Blechdeckel befinden sich drei Kontaktfedern mit daran befestigten Kupferschleifern. Eingelassen auf dem Zahnrad des Antriebs befindet sich eine Metallplatte welche je nach Stand die Kontaktfedern mit Spannung versorgt. Sind die Kupferkontakte irgendwann abgeschliffen, verweigert der Antrieb entweder komplett seinen Dienst, oder es kommt zu Aussetzern.

Im Leerlauf zieht dieser Antrieb bei 14V Spannung etwa 1,8A Strom.

Der LADA Antrieb alter Bauform (nicht mehr erhältlich)

Das was sich unter der Kunststoffabdeckung zeigt kommt bekannt vor! Richtig. Der neue Magnet Marelli Antrieb ist baugleich zu diesem LADA Antrieb – oder andersherum. Diese wurden früher vom Hersteller BAKONY Ungarn gefertigt.

Hebt man den Deckel ab sieht man im Inneren ebenfalls den Umschalter sowie den Steuernocken auf dem Zahnrad welcher den Umschalter betätigt.

Im Leerlauf zieht dieser Antrieb etwa 0,8A Strom. Tatsächlich läuft er etwas langsamer als die beiden anderen Antriebe und ist im Betrieb auf der Scheibe schwächer.

Im direkten Vergleich ist der neue noch käufliche Marelli Antrieb ein kleines Stück länger.

Aber was machen die ganzen Kabel? Der Antrieb dreht doch nur!

Richtig! Das habe ich mich auch gefragt…

Ein Blick in den Schaltplan des Shiguli zur Funktion der Wischeranlage bringt vielleicht etwas Licht ins dunkel.

Quelle: Stresse & Böttcher – Wie helfe ich mir selbst
  • M1″ ist der Wischermotor darunter ist der Schaltnocken gezeigt.
  • J“ ist Intervallmodul welches sich an der Seitenwand Fahrerseite vorne im Innenraum befindet.
  • E“ ist der Wischerschalter
  • „T1“ sowie „M2“ ist die Wischerwasserpumpe (da mein Shiguli die alte Ausführung mit Handpumpe hat, gibt es das bei mir nicht)

Also ist doch eigentlich ganz einfach zu verstehen, der Schaltplan ist selbsterklärend und ich beende den Beitrag an dieser Stelle und gehe die Werkstatt fegen…!

Auf Anhieb ist das tatsächlich alles andere als leicht zu verstehen, also geht man das ganze Stück für Stück durch.

  • Über das Kabel Blau-Schwarz liegt Dauerspannung am Kontakt der Schaltzunge an welche in Ruhestellung nicht beschaltet ist.
  • Über das Blaue Kabel erhält der Antrieb Dauerspannung sobald die Stufe 2 „Wischer Dauerbetrieb“ geschalten ist.
  • Über das Kabel Blau-Weiß erhält der Antrieb den Impuls vom Intervallmodul anzulaufen. Sobald das passiert wird dieser Kreis durch den Umschalter unterbrochen. Da vom Intervallmodul nur ein Impuls kommt, Schaltet der Umschalter gesteuert über den Nocken nun auf das Blau-Schwarze Kabel um, welches über die Sicherung „S1“ mit Spannung versorgt wird. Der Antrieb dreht sich nun 1x.
  • Sobald der Motor eine Umdrehung vollendet hat, wird der Stromkreis zum Blau-Schwarzen Kabel wieder vom Umschalter unterbrochen und zum Blau-Weißen Kabel geschlossen.
  • Sobald der nächste Impuls vom Intervallmodul kommt, läuft der Antrieb wieder 1x an.

Bekannte Fehler

Ein bekannter Fehler welcher im Intervallbetrieb auftreten kann ist, das die Wischeranlage nicht mehr ausgeht, auch dann nicht wenn der Schalter auf „Aus“ steht.

Dies kann passieren wenn z.B. die Wischerarme hochgeklappt wurden. Der Antrieb hat dann soviel „Restschwung“ das er trotz Unterbrechung soweit weiter dreht bis der Kreis zum Blau-Schwarzen Kabel wieder geschlossen wird, was die nächste Umdrehung einleitet.

Ein weiterer Fehler kann sein das die Kontaktzunge infolge Nutzung verbogen wurde und deshalb dauerhaft auf den Kontakt zum Blau-Schwarzen Kabel kontaktiert.

Abhilfe zum abschalten der Wischer schafft dann nur noch die Zündung abzustellen.

Beim Antrieb der neuen Bauform hat man im Prinzip die gleichen Probleme. Einzig eine verbogene Kontaktzunge des Umschalters kann hier nicht mehr passieren. Dafür fällt der Antrieb aus sobald die Schleifkontakte verschlissen sind. Warum das geändert wurde erschließt sich mir zwar nicht, aber vielleicht spielten Patentfragen eine Rolle…



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