Ausgelenkt.

Zuletzt hatte ich mich mit dem Stabilisator beschäftigt, und gemerkt das es Probleme mit der Befestigung gab. Dies löste das kleinere der Klappergeräusche, das größere Geräusch jedoch kam nach etwas Suche aus dem Lenkgetriebe.

Mir ist schon seit längerem aufgefallen, das sich das Lenkgetriebe irgendwie „anders“ lenkt als früher.

Da ich den Wagen jedoch nicht so oft und vor allem länger fahre habe ich dem Gefühl bisher nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt.

Das ganze begann nach einer Wäsche der Motorraumwände mit klarem Wasser und einigen Tagen Standzeit. Danach lag dann offenbar einiges im argen. Konkret: Die Lenkung fühlte sich an, als ob in Mittelstellung nun ein „Rastpunkt“ entstanden wäre. Dieses „Rastpunkt“ wirkte im Betrieb wie eine Schwergängigkeit.

Wollte man bei Geradeausfahrt eine kleine Korrektur vornehmen, musste diese „Schwergängigkeit“ erst überwunden werden. Das ganze fühlte sich höchst unangenehm an.

Da sich das Lenkgetriebe einstellen lässt, habe ich mich erstmal damit beschäftigt. In den alten Büchern wird gut beschrieben wie das funktioniert.

Nach lösen der Kontermutter am Deckel des Lenkgetriebes wird die Mutter zusammen mit der Sicherungsscheibe abgenommen.

Durch verdrehen der Schlitzschraube lässt sich nun das Spiel der Lenkung verstellen. Da im Shiguli eine Globoid-Schneckenlenkung verbaut ist, wird über die Schlitzschraube einfach die Höhenlage der Lenkstockhebelwelle zur Schnecke verstellt.

Quelle: transpress – Ich fahre einen
  • 1 Schneckenwelle (kommend vom Lenkrad)
  • 2 Lenkstockhebelwelle
  • 3 Lenkstockhebel
  • 4 Einstellschraube um den Abstand also das Lenkspiel der beiden Schnecken zueinander zu verändern.

In den Büchern wird beschrieben, dass man den Wagen vorne anheben soll. Dann wird bei gerade gestellten Rädern durch leichtes hin- und herbewegen am Lenkrad die Schraube so lange hineingedreht bis sich ein leichter Widerstand einstellt – dreht man die Schraube heraus vergrößert sich das Lenkspiel. Keine Ahnung wie oft ich diesen Vorgang wiederholt hatte – entweder stellte sich sehr großes Lenkspiel ein, oder die Lenkung ging sehr stramm. Bei Probefahrten dazwischen hat sich das Klappern verändert, also stand damit sicher fest: Es kommt aus dem Lenkgetriebe.

Ich hab dann mal bei angehobenem Wagen an den Rädern bzw. den Lenkstangen kräftig gewackelt und diese unschöne Entdeckung gemacht:

Man sieht hier den Lenkstockhebel. An ihm befestigt sind die Lenkstangen die zu den Rädern gehen. Jeder Stoß der von den Rädern kommt, kommt hier an. Die Welle hat großes Axialspiel obwohl das Lenkspiel beginnt schwergängig zu werden. Die Bewegung macht wahrscheinlich den metallischen Klang der Geräusche. Zusätzlich hat die Welle aber auch noch Radialspiel, was bedeutet das wohl die Lagerbuchsen verschlissen sind. Stellt man das Lenkspiel so ein, dass das Axialspiel weg ist, lässt sich Lenkrad nur noch sehr schwer bewegen.

Beim prüfenden Blick nach dem Ölstand im Getriebe (es sollten 200ml sein) zeigt sich das es leer war. Gut, ich gebe zu – hab ich auch noch nie nachgeschaut seit ich den Wagen besitze, aber das wars dann wohl erstmal damit. Mein Shiguli braucht wohl ein neues Lenkgetriebe.


Zum Glück kann man ein originales von Auto WAS hergestelltes Lenkgetriebe noch kaufen! Zugegeben: Es hätte auch eine Variante aus chinesischer Fertigung gegeben, aber dann doch lieber Original.

Mein Lenkgetriebe wurde laut Aufkleber von Auto WAS im Jahr 2024 montiert, geprüft und mit Öl befüllt.

Leider ist so ein gefülltes Lenkgetriebe zwar dicht wenn man es in Einbaulage transportiert, es hält das Öl im Inneren jedoch nicht wenn es liegt oder gar kopfüber transportiert wird – dass kann der Paketdienst natürlich nicht wissen.

Dementsprechend glich das sehr gut in Kunststoffolie eingepackte Paket im Inneren einer einzigen Ölkatastrophe.

Von ursprünglich 200ml Öl Füllmenge haben die Lagen von Karton das meiste aufgenommen. Einmal komplett entleert habe ich das Getriebe mit Getriebeöl neu befüllt.


Also wage ich mich an den Ausbau des alten Lenkgetriebes.

Die Lenkstockwelle – also die Achse wo das Lenkrad aufgeschraubt ist – ist eine durchgängige Welle. Am oberen Ende ist das Lenkrad verschraubt…

…am unteren Ende wird die Lenkstockwelle mittels einer Feinverzahnung auf die Eingangswelle des Lenkgetriebes gesteckt. Als Sicherung wird eine Schraube M8 verschraubt.

Nachdem die Sicherungsschraube ausgebaut war, habe ich mal vorsichtig versucht leicht an der feinverzahnten Kupplung zu hebeln nur um zu prüfen ob sie sich überhaupt bewegen lässt, aber es rührte sich genau: Nichts. Aber es hilft nichts, das Lenkgetriebe muss so oder so raus.

Erster Schritt: Die beiden Spurstangen welche zu den Rädern führen am Lenkstockhebel abpressen.

Es ist relativ eng an der Stelle, aber die beiden Kugelköpfe ließen sich letztlich gut mit einem Standardabdrücker für Kugelköpfe lösen.

Als nächstes löse ich die vier Schrauben welche das Lenkstocklager halten. Man kann die elektrischen Leitungen welche zum Zündschloss und den Schaltern für Blinker und Fahrlicht führen lösen – ich entscheide mich dafür das erstmal nicht abzustecken.

Leider lässt sich der nun lose schwarze Blechträger mit dem Lager der Lenkstockwelle nicht spannungsfrei soweit nach unten bringen dass der Blechträger an der Unterkante des Armaturenbrettes vorbei geht. Sobald nur minimal Spannung durch das Gewicht der Lenkstockwelle in der Feinverzahnung der Kupplung zum Lenkgetriebe ist rührt sich diese jedoch keinen Millimeter.

Die Lösung war, das Lenkgetriebe ebenfalls leicht zu lösen, damit es sich zusammen mit der Lenkstockwelle nach unten schwenken lässt. So lies sich dann auch die Feinverzahnung gut abdrücken. Die Lenkstockwelle mit dem Lenkrad liegt nun lose auf einer Unterlage. Es nur gut auf die Kabel aufpassen das da nichts abgeht.

Die Feinverzahnung hat sich so gut abdrücken lassen. Nach dem Abschrauben der drei Haltemuttern welche das Lenkgetriebe am Fahrzeugrahmen halten lässt es sich leicht nach oben aus dem Shiguli ausbauen.


Die Montage des neuen Lenkgetriebes.

In den alten Büchern wird eine Markierung an der Verzahnung der Eingangswelle des Lenkgetriebes genannt, und dass diese oben stehen muss um die Mittelstellung des Lenkgetriebes zu erhalten. Das hat bei meinem Lenkgetriebe leider nicht gepasst. Ich habe mich dann damit beholfen den Abstand per Lineal von den Endanschlägen des Lenkstockhebels zum Aluminiumgehäuse zu messen und so das Lenkgetriebe in Mittelstellung gebracht, die Markierung war in der Position nun leicht verdreht, beim zählen der Umdrehungen jeweils von der „neuen“ Mittelstellung zu den Anschlägen bin ich bei beiden Seiten jedoch auf die selbe Anzahl gekommen – das sollte so passen.

Das so eingestellte neue Lenkgetriebe schraube ich zuerst mit den drei Halteschrauben wieder handfest am Fahrzeugrahmen an.

Mit unter dem Lenkgetriebe eingesteckten Kunststoffkeilen versuche ich ungefähr die Peilung zur Kupplung der Lenkstockwelle zu finden damit die beiden Verzahnungen gut zueinander finden können.

Nachdem die Feinverzahnung auf der Eingangswelle des Lenkgetriebes „angepackt“ hat – also beginnt zu greifen, treibe ich die Lenkstockwelle mit einer aufgesetzten SW 24 Nuss und sanften Hammerschlägen auf die Eingangswelle.

Das alleine zu schaffen war nicht ganz so einfach und erforderte einiges an Zeit und Fummelei – Kann ich nicht empfehlen! Mit zwei Mann geht das wahrscheinlich sehr viel leichter und schneller.

Bei noch immer losem Lenkgetriebe am Shiguli schraube ich das Lenkstocklager wieder an die Endposition.

Nachdem dies erledigt war, wurde das Lenkgetriebe fest am Shiguli verschraubt.

Ich vermute, mit diesem Vorgehen sollten eigentlich keinerlei Verspannungen in der Lenkstockwelle vorhanden sein die später eventuell die Drehkraft beim Lenken unangenehm beeinflussen.

Zum Abschluss werden die beiden Lenkstangen wieder mit dem Lenkstockhebel verschraubt und mit neuen Splinten gesichert.

Und fertig….

….nicht ganz. Leider hab ich mich bei den zig Versuchen alleine die Feinverzahnung der Lenkstockwelle aufs Lenkgetriebe zu bringen doch irgendwann um ein- oder zwei Zähne vertan – wie gesagt, es ist keine gute Idee das alleine zu machen.

Final stand das Lenkrad bei der Probefahrt mässig verdreht bei Geradeausfahrt. Die Feinverzahnung der Lenkstockwelle erneut zu lösen um den Fehlstand zu beheben ist mir -wegen dem enormen Aufwand- keine Option.


Da baue ich lieber das Lenkrad ab, und versuche den Versatz durch umsetzten des Lenkrades auf dessen Verzahnung zur Lenkstockwelle zu beheben.

Wenn es eh schon mal ab ist, was übrigens sehr leicht ging dann kann man es auch gleich mal etwas sauber machen.

Der Bereich unter der Lenkradabdeckung sowie der Messingschleifring für den Hupenschalter sind über die Zeit recht stark verschmutzt.

Das was früher wahrscheinlich mal Fett auf dem Messingschleifring war hat sich zu einer klebrigen- gummiartigen Masse verwandelt.

Die Halteschrauben und Federn welche den Hupenring halten waren etwas angerostet…

Nach einem Bad in etwas Phosphorsäure ist der Rost komplett verschwunden. Die Schrauben und Federn werden dann vor der Montage gut eingeölt.

So vorbereitet habe ich das Lenkrad dann um 2 Zähne versetzt wieder montiert.

So ganz gerade steht es nicht, stand es aber vor dem Tausch auch schon nicht. Stört mich ehrlich gesagt aber auch nicht, da man beim Fahren wegen dem normalen Lenkspiel eh immer etwas korrigieren muss – als es immer etwas bewegt.

Die erste Probefahrt war dann ein deutliches Aha-Erlebnis. Die Lenkung lenkt leicht wie nie! Hat sich die Mühe deutlich gelohnt.



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