Ausgelenkt – Nachtrag.

Das neue Lenkgetriebe im Shiguli funktioniert wieder bestens, so motiviert interessiert es mich was nun in dem alten Lenkgetriebe eigentlich los war!

Der Eindruck und Zustand von außen hat mich bereits beim Ausbau überrascht. Die Oberfläche des Aluminiumgehäuses sieht sehr gut aus, einige wenige Spuren (Kratzer und Macken) sind jedoch vorhanden.

An den Metallteilen findet sich sehr leichter Oberflächenrost, insgesamt macht das alles erstaunlicherweise jedoch einen sehr guten Eindruck – eine Aufarbeitung könnte lohnen!

Um das Getriebe zerlegen zu können, muss er Lenkstockhebel von seiner Welle abgezogen werden. Der Hebel aus Gusseisen sitzt auf einer konischen Welle mit Feinverzahnung und wird mit einer Mutter gehalten.

Die Mutter zu lösen ging recht schwer. Wie hier im Bild zu sehen mit einem Knebel lies sich die Mutter nicht lösen.

Die „Lösung“ schaffte erst ein großer Akkuschlagschrauber mit dem ich normalerweise Achsmuttern welcher mit 200Nm und mehr angezogen wurden abschraube.

Nachdem die Mutter gelöst war, zeigte sich darunter erfreulicherweise kein Rost.

Das lässt hoffen.

Meine „romantische“ Vorstellung den Lenkhebel mit diesem (aus heutiger Sicht) „Spielzeug“ Abzieher und etwas Wärme aus einem Butangasbrenner binnen kurzer Zeit lösen zu können ging ich weiter ans Werk.

Da der Abzieher unter der zwischenzeitlich beträchtlich eingebrachten Zugkraft ständig vom Lenkhebel abrutschte musste eine schnelle, kreative Lösung gefunden werden – z.B. eine Schraubzwinge.

Wäre das hier ein Video würde jetzt der Hinweis kommen:

Bitte nicht nachmachen!

Aber es ist ja kein Video.

Nachdem der kleine Abzieher fast zerstört wurde, wurde es Zeit für größeres Gerät und mehr Wärme.

Die Wärme kommt nun aus Sauerstoff und Brenngas.

Ich hatte noch einige andere Abzieher probiert, wegen dem geringen Spalt zwischen Hebel und Gehäuse passten diese jedoch nicht.

Was passte war mein 200mm Abzieher von Yato (Yato 2522) Mit diesem Gerät lassen sich Bremstrommeln abziehen, oder eben kleine Hebel.

Dachte ich.

Final sah die Konstruktion so aus.

Der Lenkstockhebel und vieles drumherum war sehr stark erhitzt, der Simmerring der früher mal die Welle abdichtete stand längst in Flammen welche lustig aus ihm heraus züngelten, der Abzieher war so gespannt das die geölte Spindel zu quietschen anfing…

und es rührte sich nichts!

Die nächste Idee wäre ein Rohr auf den Knebel zu schieben .

Natürlich nicht. Und nochmal der Hinweis: Nicht nachmachen!

An der Stelle bin ich schon viel zu weit gegangen. Ich habe mich ehrlich gesagt selber etwas erschrocken wie sich die Situation aufgeschaukelt hat. Manchmal ist es besser aufzugeben bevor was schief geht.

Also spalte ich den Hebel nun doch mit einem Schlitz um die Spannung aus der Verzahnung zu bekommen was dann auch klappte, gleichzeitig aber auch das komplette aus für das Lenkgetriebe bedeutet.

Dieser Hebel als Ersatzteil kostet derzeit (wenn überhaupt erhältlich) etwa halb soviel wie ein komplettes neues Lenkgetriebe.

Deshalb auch der Versuch ihn unbeschadet abmontieren zu können.

Später auf der Suche nach so einem Hebel habe ich irgendwo im Netz einen Beitrag dazu gefunden wo nebenbei erwähnt wird wie dieser Hebel montiert wird. Demnach wird der Hebel auf den Konus aufgeschrumpft und die Haltemutter danach mit ca. 100Nm angezogen… kein Wunder, dass das nicht mehr abgehen will.


Als nächstes löse ich den großen Deckel oben. So schwer wie der abging wurde der zuletzt im Werk montiert und seither nie mehr gelöst.

Etwas mehr hätte ich nun schon erwartet. Wenn man bedenkt das sich im Lenkgetriebe eigentlich irgendwann mal 200ml Öl befunden haben sollten sieht der Anblick schon recht trocken aus. Die Wände des Gehäuses sind beim darüber streichen nahezu Ölfrei. Hier war schon sehr lange kein Öl mehr drin, irgendwann kam offenbar mal etwas Molykote Fett hinzu, was sich mit etwas Rost vermischt hat.

An der Deckelinnenseite sieht man woher der Wassereintritt kam – durch den Schlitz für das Sicherungsblech der Einstellschraube.

Die Schneckenwelle lässt sich ausbauen sobald der seitliche kleine Deckel gelöst, und die Lenkhebelwelle nach oben aus dem Gehäuse gezogen wurde.

Mit der Schneckenwelle kommen beide Drucklager ebenfalls mit nach außen. Die Distanzscheiben dienten zum einstellen der richtigen Lagerspannung.

Nach grünlicher Reinigung und etwas betrachten finden sich relativ Mittig der Welle einige kleine abgeflachte Stellen sowie eine Stelle mit Resten von Rost.

Meine Vermutung ist, dass die abgeflachten Stellen auf der Gleitfläche die Mittelstellung der Lenkung war, also Verschleiß der entstand als bei Geradeausfahrt beide Metallräder ständig leicht aufeinander Arbeiteten. Die Roststelle ist wahrscheinlich durch meine Waschaktion und dem Wasser entstanden welches ich beim reinigen des Motorraumes in das Getriebe gespült habe. Beide Teile sind dann punktuell „zusammen“ gerostet, beim nächsten Losbrechen hakte die Lenkung dann immer genau an dieser Stelle und begann mich zu ärgern.

An der Gegenseite finden sich ähnliche Stellen, wenn auch nicht so stark ausgeprägt:

Zuletzt noch ein Blick in die Gleitbuchsen welche die Lenkhebelwelle im Aluminiumgehäuse lagern:

Auf dem Bild ist es zwar nicht gut zu erkennen, aber beide Buchsen sind so stark verschlissen, dass die Welle darin ganz ordentlich Radialspiel hat.

Ich würde sagen: Es hat seinen Dienst getan und kann jetzt weg – eine Aufarbeitung macht wegen dem geringen Kaufpreis von 130-160Eur für ein neues Lenkgetriebe wenig Sinn, leider.



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