Werkzeug – Genug ist nie genug!

An der Stelle zeige ich Euch eine kleine Auswahl an (Spezial-) Werkzeugen welche sich für Arbeiten am Shiguli als nützlich erwiesen haben.

Eines der eher etwas bizarren Werkzeuge ist tatsächlich die Anwerfkurbel aus der sehr reichhaltigen Bordwerkzeugtasche welche original im Shiguli ab Werk mitgeliefert wird. Die Kurbel wird durch ein Loch in der vorderen Stoßstange auf die Kurbelwelle aufgesteckt.

Im Betriebshandbuch wird darauf hingewiesen bei Temperaturen unter -20°C den kalten Motor mit der Kurbel vorm anlassen einige Male langsam durchzudrehen.

Ebenfalls nützlich ist die Kurbel um den Motor zum Ventilspiel einstellen durchzudrehen.


Ventilspiel bzw. das nötige Werkzeug dafür ist da das richtige Stichwort.

Die nötige Fühlerlehre zum einstellen des Ventilspiels am Shiguli ist anders als die heute regulär üblichen. Sie ist doppelt so breit wie eine „normale“ Fühlerlehre – ist diese nicht verfügbar, nimmt man einfach zwei normale nebeneinander.

Bei Verwendung einer zu schmalen Fühlerlehre bekommt man das Ventilspiel aufgrund der Lagerung der Schlepphebel mit großer Wahrscheinlichkeit nicht eingestellt da die Schlepphebel dann zur Seite wegkippen.


Etwas spezieller ist da schon mein Endoskop welches zwar nicht so häufig zum Einsatz kommt – aber „ohne“ möchte ich definitiv auch nicht mehr sein.

Das Endoskop nennt sich Videoinspector 3D und wird unter der Marke Laserliner durch die Firma Umarex vertrieben. Es ist leider kein Schnäppchen in der Anschaffung, jedoch das einzige Gerät was ich gefunden habe welches über einen echten 3D (also in alle Richtungen vollbeweglichen) Kamerakopf verfügt und nicht auf irgendwelche Android Telefone in Verbindung mit China-Apps angewiesen ist.

Die Steuerung des Kamerakopfes erfolgt mechanisch über ein Joystick am Grundgerät.

Das Gerät eignet sich hervorragend um die Hohlräume der Karosserie auf Rost bzw. Konservierung zu prüfen, oder -so wie im Bild oben und unten- einen tieferen Blick in den Motor zu werfen.

Mit etwas Geschick am Joystick und dank des 3D Kopfes kommt man sogar am Ventilteller vorbei und kann einen Blick auf die Ventilschaft- abdichtungen erhaschen. Im Bild oben die stärker belastete Schaftabdichtung am Auslassventil im Abgaskanal.


Empfehlenswert ist es ein Bördelwerkzeug für Bremsleitungen sein Eigen zu nennen. Damit habe ich schon so einige Bremsleitungen gefertigt – nicht nur am Shiguli, gern auch an Fahrzeugen neueren Baujahren.

Ich habe Bördelformen für DIN-F-Bördel sowie SAE-F-Bördel. DIN-F ist der Europäische Standard der sich auch an neueren Ladas finden, am Shiguli finden sich jedoch SAE-F-Bördel.

Mit Stahlbremsleitung als Rollenware und etwas Geschick lassen sich sämtliche Bremsleitungen nachbauen – das ist dann um Welten günstiger als gekaufte fertige Ersatzteilleitungen.


Bleibt man bei den Bremsen, muss nach Arbeiten daran das System eventuell entlüftet werden. Dafür hat sich so eine einfache Handpumpe als äußerst nützlich zum entlüften der Bremsanlage erwiesen. Sie kann wahlweise Über- oder Unterdruck erzeugen.

Mit dem passenden Adapter für den Nachlaufbehälter lässt sich damit Überdruck ins Bremssystem bringen. Es reichen 0,5 bis 0,8bar. Überdruck um die Bremse zu entlüften bzw. die Bremsflüssigkeit zu wechseln. Vorausgesetzt man achtet auf immer genug Flüssigkeit im Nachlaufbehälter ist so ein Flüssigkeitswechsel alleine in 20min erledigt.

Ich entlüfte ausschließlich mit Überdruck und niemals mit Unterdruck!


Dringend nötig ist die Einstellehre für den Lastabhängigen Druckregler kurz LAD welcher die Bremskraft die auf die Hinterachse wirkt regelt. Diese muss – je nach Beladung – unterschiedlich stark sein. Die korrekte Einstellung ergibt sich durch die richtige Stellung des Steuergestänges welches den Regler betätigt. Die Lehre um dies einzustellen ist eigentlich nur eine einfache Blechkonstruktion welche auf das Steuergestänge aufgesetzt wird, und das Gestänge dann in einem bestimmten Winkel hält, um dann den Druckpunkt des Steuergestänges durch drehen des LAD in seinen Schraubpunkten an der Karosse einzustellen.

Die Bauzeichnung mit allen Abmessungen findet sich z.B. im Buch von Strese und Böttcher.

Bei falscher Einstellung (Druckpunkt des Gestänges zum LAD) bremst die Hinterachse entweder zu stark (Heck kann bei Bremsung in Kurve ausbrechen) oder zu wenig (Bremsweg erhöht sich).


Ein weiteres interessantes Werkzeug ist dieses hier: Ein gebogener Blechwinkel mit einigen Aussparungen und viel Text.

Gefunden hab ich das im Bordwerkzeug als ich den Wagen gekauft habe. Original war das da nicht enthalten, wurde also von einen der Vorbesitzer hinzugefügt. Erst eine tiefgründige Recherche brachte zu Tage, dass man damit die Fensterkurbeln entriegeln und demontieren kann. Habe ich schon vielfach genutzt, funktioniert wirklich sehr gut!


Das Thema „Schließwinkel“ ist bei mechanischen Kontaktzündungen das A und O damit diese gut funktionieren können, dafür gab es immer schon „Tester“ – also Prüfgeräte auch im Fahrzeugzubehörhandel zu kaufen. „Passt der Schließwinkel nicht, lass die Finger vom Vergaser!“– empfahl mir ein ehemaliger Mechaniker bei einem Oldi-Treffen. Soll bedeuten: Man prüft bei schlechtem Motorlauf immer zuerst die Zündung bevor am Vergaser gedreht wird!

Dafür habe ich mir einen relativ alten aber extrem nützlichen Tester besorgt: Ein AROSO Motortester ca. aus Anfang den 1980er Jahre.

Das passive Analoggerät verfügt u.a. über eine Stroboskoplampe um die Zündzeitpunktmarkierung anzublitzen, und besitzt noch andere Funktionen. Am interessantesten ist jedoch die Möglichkeit damit den Schließwinkel des Unterbrechers bei laufendem Motor auszumessen.

Hier ein kurzer Auszug aus der Originalbedienungsanleitung:

Parallel zu dem Analoggerät von AROSO habe ich mir auch mal ein neues Digitalgerät besorgt:

Das macht das Gleiche, nur eben mit absoluten Zahlen. Zusätzlich verfügt es noch über ein Multimeter. Der Vorteil des Geräts ist, dass der Anschluss einfacher ausfällt da es über eine eigene Batterie verfügt. Zur Messung des Schließwinkels wird lediglich Minus an Masse, sowie Plus am Unterbrecher angeschlossen und man erhält ein Ergebnis. Die relativ großen Zahlen des beleuchteten Displays lassen sich auch noch gut ablesen wenn man im Auto sitzt. Beide Geräte zueinander liefern die gleichen Werte.


Thema Vergaser: Manchmal kann es nötig sein den CO-Wert des Abgases zu messen, dafür habe ich einen GUNSON G4125 CO-Wert Messer.

Das Gerät hat mich absolut überzeugt. Die vielen negativen Meinungen die man so im Netz über das Gerät lesen kann, kann ich bisher nicht bestätigen.


Die meisten Lada-Fahrer die ich aus der Szene kenne, kommen ohne es kaum aus – Ein Schweißgerät.

Nach reichlicher Überlegung und vielen Infos aus dem Netz habe ich mich für dieses Gerät, ein Stahlwerk MIG/MAG 155 ST IGBT entschieden.

Es ist erstaunlich, dass man mittlerweile derart gut funktionierende Geräte für unter 200Eur bekommt welche im Betrieb über eine normale 230V Steckdose absolut zufriedenstellend arbeiten. Ich nutze es mit Schutzgas und normalen Schweißdraht am liebsten. Am Shiguli werde ich das hoffentlich nicht so bald brauchen – wurde ja beim Restaurieren vieles erneuert, wohl aber an meinem Alltagsauto, dem Lada Niva… da werden so manche Bleche an beanspruchten Stellen durch den ganzjährigen Betrieb langsam dünner.


Sehr praktisch für Arbeiten am Fahrwerk ist dieser Aus- und Eindrücksatz für die Gummibuchsen der Querlenker an der Vorderachse.

Mit dem Werkzeug lassen sich die Gummibuchsen aus- und einpressen ohne die Lenker vom Fahrzeug abbauen zu müssen. So ist ein Buchsenwechsel der Vorderachse in ca. 1-2 Stunden erledigt.

Für sehr vieles anderes eignet sich so ein Universal-Presswerkzeug bestens. Für weniger als 50Eur erhält man ein Sortiment an sehr stabilen Scheiben und Hülsen in Verbindung mit einer massiven Presspindel mit Drucklager. Die enthaltenen Scheiben und Hülsen lassen sich auch gut auf der Hydraulikpresse verwenden.


Und zum Schluss noch das wohl größte Werkzeug welches regelmäßig am Shiguli und anderen Fahrzeugen zum Einsatz kommt. Meine Scherenhebebühne der Marke Twinbusch Typ TWS3-10E.

Die Bühne hebt 3,0t auf eine maximale Höhe von 1000mm. Die Verarbeitung aller verbauten Teile macht einen wirklich sehr guten Eindruck.

Sicher, 1m Hubhöhe ist nicht die Welt, reicht jedoch um auch sämtliche Arbeiten unterm Auto bequem sitzend auf einem rollbaren Hocker zu erledigen. Eine reguläre Säulenbühne kam nicht in Frage, da zum einen die Qualität und Festigkeit des Betonbodens am Aufstellort unbekannt ist, und es zum anderen zu erheblichen Platzproblemen seitlich in der Garage geführt hätte.

Da ist die Scherenhebebühne klar im Vorteil. Sie ist schmal und stellt kaum besondere Anforderungen an den Untergrund – sie muss nicht mal befestigt werden. Durch die sehr massive Ausführung der Bühne wird das Fahrzeug sehr stabil und sicher angehoben. Ich hatte bisher zu keinem Zeitpunkt (auch bei gröberen Arbeiten) ein ungutes Gefühl unterm Auto.

Versorgt wird die Bühne mit 230V. Druckluft für die Entriegelung wird nicht benötigt, weil das ebenfalls elektrisch funktioniert. Schaltet man noch einen Einschaltstrombegrenzer davor, geht der Betrieb mit den üblichen „schnellen“ 16A Sicherungsautomaten auch ohne Probleme.



Beitrag veröffentlicht

in

, , , ,

von